Entwicklung von Informationssystemen unter Unsicherheit

Der wesentliche Vorteil der sequentiellen Entwicklung ist Planungssicherheit sowie Effizienz durch die Vermeidung von Überarbeitungen. Mit zunehmender Unsicherheit verringern sich diese Vorteile der sequentiellen Entwicklung. Gleichzeitig steigen das Risiko eines unangemessenen Anforderungsverständnisses und das der Auslieferung eines veralteten Produktes. Unter Unsicherheit ist es daher vorteilhaft, auf Phasentrennung zu verzichten, so dass sich die Phasen Analyse, Realisierung und Evaluierung zeitlich überlappen. Um zu einem angemessenen Verständnis der Anforderungen zu kommen, muss ein möglichst frühzeitiges, möglichst intensives Feedback angestrebt werden. Um möglichst frühzeitig ein lauffähiges Teilsystem zu realisieren, mit dem Feedback eingeholt werden kann, und andererseits das Feedback zu nutzen, müssen die Investitionen in die Architektur erhöht werden. Der Verzicht auf Phasentrennung, das möglichst intensive Feedback und die erhöhte Investition in Architektur haben aber auch Nachteile (zumindest erhöhte Kosten). Es soll untersucht werden, unter welchen Umständen diese verschiedenen Entwicklungsmodelle vorteilhaft sind und wie sie gestaltet werden sollten.

Einzelne Projekte:

  1. Empirische Überprüfung der Aussagen.
  2. In der Literatur gibt es keinen Konsens über ein Projekterfolgsmaß. Daher soll das Maß selbst theoretisch und empirisch untersucht und validiert werden.
  3. Die obige Argumentation basiert auf der Annahme, dass die Phasentrennung bei Unsicherheit nur teilweise Rework vermeiden kann und dass bei Unsicherheit der Vorteil aus der Nutzung des Feedbacks die Nachteile aus der entgangenen Vermeidung von Rework durch Phasenüberlappung überwiegen. Diese Argumentation soll mit Hilfe eines formalen Modells des Entwicklungsprozesses mit Feedback präzisiert werden.
  4. Es soll überprüft werden, ob die aus dem Bereich des NPD stammenden Modelle von Krishnan et al. und Bhattacharya et al. zur Gestaltung der iterativen Entwicklung auf Softwareentwicklung übertragbar sind. Ggf. sollen die Modelle für die Anwendung in der Softwareentwicklung adaptiert werden.
  5. Die Argumentation gilt so vermutlich nicht nur für Softwareentwicklungsprojekte, sondern auch für IT-gestützte strategische Initiativen. Die Übertragbarkeit soll theoretisch und empirisch untersucht werden.

Forschungsgebiete

Das Seminar für Wirtschaftsinformatik und Systementwicklung von Prof. Dr. Werner Mellis gehört zur Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln. Der Forschungsschwerpunkt des Seminars ist das Management der Softwareentwicklung. Es werden empirische und theoretische Untersuchungen zur organisatorischen und fachlich-technischen Gestaltung der Softwareentwicklung durchgeführt und Empfehlungen für die Gestaltung entwickelt.

 

Im Mittelpunkt aktueller Untersuchungen stehen die Entwicklung von Informationssystemen unter Unsicherheit und quantitative Modelle von IS-Entwicklungsprozessen.

 

Quantitative Modelle von IS-Entwicklungsprozessen

IS-Entwicklungsprozesse werden heute in der Regel nicht auf der Basis quantitativer Modelle gestaltet und gesteuert. Daher ist der Erfolg solcher Prozesse nur zufällig gegeben. Mit Hilfe geeigneter Modelle, die den Einfluss von Rahmenbedingungen und Gestaltungsfaktoren auf den Prozesserfolg beschreiben, lässt sich dagegen der Erfolg systematisch  einstellen oder korrigieren. Daher sollen für ausgewählte Prozesse geeignete Modelle entwickelt werden. Traditionell entstehen solche Modelle in der theoretischen Forschung und werden als Hypothesen oder Hypothesenmengen in empirischen Untersuchungen überprüft. Ein alternativer Entstehungsprozess geht aus von methodischen Experteninterviews über die Verursachung des Erfolgs in konkreten Fällen. Dabei entsteht gewöhnlich eine große Menge von feingranularen Wirkungshypothesen. Diese müssen im nächsten Schritt zu wenigen Wirkungshypothesen verdichtet und schließlich empirisch überprüft werden. Das Endergebnis ist ein validiertes Modell des Prozesses. Wenn es gelingt, dieses Vorgehen mit Methoden Schritt für Schritt zu unterstützen, so kann dieses Vorgehen auch als gewöhnliche Managementmaßnahme in Unternehmen zur Entwicklung, Überprüfung und Verwendung solcher Modelle genutzt werden.

 

Einzelne Projekte:

  1. Entwicklung einer Methode zur Aggregierung großer Mengen von Wirkungshypothesen, die von verschiedenen Experten formuliert wurden.
  2. Entwicklung eines Modells des Testprozesses durch Anwendung des Verfahrens und empirische Überprüfung des Modells.
  3. Sind die von Experten zur Verursachung des Erfolgs in konkreten Fällen genannten Faktoren zuverlässig oder ad hoc?
  4. Überprüfung der Vorgehensweise durch Anwendung auf andere Prozesse.
  5. Analyse der Gründe, für die unerwartet langsame Diffusion der Innovation "Messen in der Informationssystementwicklung".

Weitere Projekte

Ferner werden einige Projekte durchgeführt, die außerhalb dieser beiden Themen stehen.

  1. Was motiviert Softwareentwickler zu qualitätsorientierter Arbeit? Im Rahmen dieses Projektes soll die Theorie von Austin experimentell überprüft werden.
  2. Veränderungen der Professionalität des Testens.
  3. Warum sind IS-Projekte nicht planungstreu?